Dierk Grundmann, Malerei
dierk@dierkgrundmann.com

 

Like   Öl a. Leinwand  100 x 100 cm

 

"LIKE"

Eine Ausstellung
im letzten Monat auf der Insel Hiddensee hatte Bilder gezeigt,
die ich, wie viele andere auch, "schön" fand.
Die Bilder waren gegenständlich und zeigten die Realität der Insel:
die   Weite des Meeres, die
sanften Farben  der Landschaft und die unglaublichen Wolkenbildungen am Himmel.

Alle Bilder waren stimmungsvoll - einfach "schön"!

Aber ist das die "Realität"?
Zur Realität gehört doch nicht nur das „Schöne“, sondern auch das

Zerstörte, Verlorene, Zerrissene, Unharmonische -  auch das Hässliche!

"Schön" steht immer im Gegensatz zu etwas anderem:
ein Gesicht kann schöner sein, als ein anderes...

ein Motiv kann schöner sein, als ein anderes...
auch können bestimmte Farbzusammenstellungen schöner
wirken, als andere...

Die Bewertung darüber, was "schön" oder "hässlich" ist, ist immer subjektiv!

Schaue ich mir die hier ausgestellten Bilder an, sind viele von ihnen für mich nicht wirklich als
"schön" zu bezeichnen. Viel eher sind sie für mich eine freundliche Bekanntmachung mit dem Verfallsdatum! Sie zeigen: Vergänglichkeit, Verletzlichkeit, Zerfall...

Zum Beispie das Bild „Like“ :
Auf den ersten Blick sehe ich eine schöne, sonnige Seelandschaft mit einem ruhigen Meer und einem weiten, hohen Himmel.
Doch auf den zweiten Blick stört mich etwas:

Es fehlt der Strand - ich sehe nicht einmal einen Küstenstreifen. Ein riesiger Felsen  - oder ist es eine Mauer - ragt aus dem Wasser. Die Mauer ist zudem
mit Graffiti bemalt und an der oberen Ecke abgebrochen.

Das Bild wirkt auf mich nicht mehr  so schön, wie ich es anfangs empfunden hatte. Die ursprünglich empfundene Harmonie ist für mich gestört.
Da passen doch viele Dinge nicht zusammen, die mich in diesem Zusammenhang auf dem Bild irritieren: eine ruhige Naturlandschaft, eine
von Menschenhand gemauerte Wand, angebrochenes Mauerwerk, Graffiti, das ich eher aus der Stadt kenne...

Abe dennoch - da ist etwas, was mich anspricht und mich zum Nachdenken bringt.
Ich kann nicht einfach an dem Bild vorbei gehen
, sondern schaue es mir wiederholt an und versuche das Hintergündige heraus zu finden.

Weiter möchte ich das Bild nicht analysieren, denn das läuft Gefahr, dass es zerredet wird.

Ich lasse es einfach weiter auf mich wirken und nehme mir Zeit beim Betrachten...

 

Laudatio von Monaliesa Grundmann
September 2022


 

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